Der Roman ist fertig, alles weitere in den nächsten Wochen. Hier der Beginn:
Früher Morgen, fünf Uhr zehn
Blut rann über die Haut. Es lief in Richtung der Tücher, die den Bauch bedeckten. Unter der OP-Lampe blitzte das Skalpell. Geführt von der Hand in Gummihandschuhen, durchtrennte es mit wenigen Schnitten die Haut. Von oben nach unten, schnurgerade legte es seine Spur. Dann bissen sich Metallhaken in die Wundränder und zogen sie zur Seite. Ein elektrischer Stab schwebte heran, berührte kurz die Wunde, bis es zischte, qualmte. Man meinte, gegrilltes Fleisch zu riechen. Das Blut ließ sich gut stillen. Schicht um Schicht drangen sie tiefer: Zerschnitten erst die Haut, danach das Fettgewebe, die Muskeln, schließlich die Faszie. Dann lag er vor ihnen, der Bauch wie im Anatomiebuch. Oben rechts die Leber mit der Galle, links daneben Magen und Netz. Darunter schlängelte sich Dünndarm.
"Schnitt", hatte der Operateur gesagt, als er begann. Die Anästhesistin notierte die Uhrzeit und drehte die Infusion schneller.
Mond, hängst wie eine Osrambirne
Dieses Lyrik-Illustrations-Projekt von Ruth Bosshard und mir steht ebenfalls kurz vor der Veröffentlichung.
"Lasst sie in den Himmel wachsen", ein literarische Gottesdienst findet unter diesem Titel am 26.4.2026 in der Horner Kirche, Horner Heerstr. 30, um 10 Uhr statt. Es geht um das Thema "Bäume" mit Texten von verschiedenen Autoren, unter anderem von mir. Sie, die Bäume in all ihrer Bedrohung, sollen in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Predigt hält Stephan Klimm, die musikalische Begleitung liegt bei Enno Popken am Saxophon, es lesen Mathias Marten, Stephan Klimm und ich. Anschließend gibt es noch etwas zu essen und zu trinken unter der Linde, Bremens ältesten Baum, sowie Informationen zur Linde.