Die UnwissendeN

Der Roman ist fertig, alles weitere in den nächsten Wochen. Hier der Beginn:

 

Früher Morgen, fünf Uhr zehn

Blut rann über die Haut. Es lief in Richtung der Tücher, die den Bauch bedeckten. Unter der OP-Lampe blitzte das Skalpell. Geführt von der Hand in Gummihandschuhen, durchtrennte es mit wenigen Schnitten die Haut. Von oben nach unten, schnurgerade legte es seine Spur. Dann bissen sich Metallhaken in die Wundränder und zogen sie zur Seite. Ein elektrischer Stab schwebte heran, berührte kurz die Wunde, bis es zischte, qualmte. Man meinte, gegrilltes Fleisch zu riechen. Das Blut ließ sich gut stillen. Schicht um Schicht drangen sie tiefer: Zerschnitten erst die Haut, danach das Fettgewebe, die Muskeln, schließlich die Faszie. Dann lag er vor ihnen, der Bauch wie im Anatomiebuch. Oben rechts die Leber mit der Galle, links daneben Magen und Netz. Darunter schlängelte sich Dünndarm.

"Schnitt", hatte der Operateur gesagt, als er begann. Die Anästhesistin notierte die Uhrzeit und drehte die Infusion schneller.

 

Mond, hängst wie eine Osrambirne

Dieses Lyrik-Illustrations-Projekt von Ruth Bosshard und mir steht ebenfalls kurz vor der Veröffentlichung.